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Methoden · Living Lab

Bericht über das Living-Lab-Konzept und das nationale Programm

Ein Living Lab ist ein nutzerzentriertes, offenes Innovationsökosystem, das auf dem Quadruple-Helix-Modell beruht und mit in realer Umgebung getesteten Lösungen die Kluft zwischen angewandter Forschung und Markteinführung überbrückt.

Living Lab-Redaktion Wissensdatenbank · Methoden
6 Min. Lesezeit 2026

Das Innovationsparadigma befindet sich im Wandel: An die Stelle geschlossener, linearer Modelle treten zunehmend offene Innovationsökosysteme. In diesem Prozess ist das Living Lab (Gemeinschaftliches Innovationslabor) ein nutzerzentriertes System, in dem der Adressat der Entwicklung, der Nutzer, zum aktiven Teilnehmer wird.

1. Warum ist das Living Lab wichtig?

Die strategische Bedeutung des Living Labs liegt darin, dass es die sogenannte „vorkommerzielle" Phase überbrückt: jene Kluft, die sich zwischen angewandter Forschung und Markteinführung auftut. Forschungsdaten zufolge scheitert ein erheblicher Teil der neuen Produkte — bis zu 80 % — nach der Einführung, wenn eine echte Nutzerbeteiligung fehlt.

Die aktive Beteiligung der Nutzer verringert eben dieses Risiko: In den früheren Phasen der Entwicklung treten die tatsächlichen Bedürfnisse und Grenzen zutage, sodass das Endergebnis mit höherer Wahrscheinlichkeit gesellschaftliche Akzeptanz findet.

2. Der Wirkmechanismus: das Quadruple-Helix-Modell

Das Living Lab beruht auf dem Quadruple-Helix-Modell (Vierfachhelix), das vier Akteure in einem einzigen kooperativen System verbindet:

  • den öffentlichen Sektor,
  • die Wissenschaftsgemeinschaft,
  • die Privatunternehmen,
  • und die Zivilgesellschaft, also die Nutzer.

Dieses Modell ermöglicht es, dass technologische Lösungen nicht isoliert, sondern im Einklang mit den realen gesellschaftlichen Bedürfnissen entstehen.

3. Woher stammt der Begriff?

Der Begriff „Living Lab" geht auf den MIT-Professor William Mitchell zurück (2003), der das Labor als einen Ort verstand, an dem in realer, lebensnaher Umgebung beobachtet wird, wie sich Menschen mit neuen Technologien verhalten.

Theoretisch baut das Konzept auf der Idee der offenen Innovation (Open Innovation, Henry Chesbrough) auf, die erkennt, dass nützliches Wissen weit über die Grenzen der Organisation hinaus verbreitet ist. Ein prägendes Merkmal des Living Labs ist die nutzergetriebene Innovation (user-driven innovation): Der Nutzer testet nicht nur, sondern beteiligt sich aktiv an der Wertschöpfung.

4. Die Akteure des Ökosystems und ihre Rolle

Das Living Lab weist jedem Akteur eine eigene Funktion in der Zusammenarbeit zu:

  • Wissenschaftsgemeinschaft (academia): stellt den methodischen Hintergrund und die Validierung bereit, in einer neutralen Vermittlerrolle.
  • Öffentlicher Sektor: ist für die Finanzierung und die Regulierung zuständig (etwa ESF+-Mittel) und legt die strategischen Leitlinien fest.
  • Privatsektor: übernimmt die technologische Umsetzung und sichert die Markttragfähigkeit.
  • Zivilgesellschaft und Nutzer: sind keine passiven Adressaten, sondern aktive Mitgestalter (Co-Creators) neben den problemtragenden Organisationen — sie formen die Lösungen.

5. Der Innovationszyklus in der Praxis

Das Living Lab ist ein iterativer Prozess, der fünf Phasen durchläuft:

  1. Erkundung (exploration): Kartierung des Problemraums und Einbeziehung der Stakeholder.
  2. Gemeinsame Gestaltung (co-creation und co-design): Workshops, Ausarbeitung von Szenarien.
  3. Prototyping (prototyping): schnelle Prototypenentwicklung.
  4. Experimentieren (experimentation): Erprobung in realer Umgebung — das überbrückt den „pre-commercial gap".
  5. Bewertung (evaluation): mehrdimensionale Analyse und Iteration.

6. Das nationale Programm: ELTE und TINLAB

Die Eötvös-Loránd-Universität (ELTE) betreibt mit Unterstützung des Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+) im Rahmen des Programms Social Innovation Plus (SI Plus) Nationale Kompetenzzentren für soziale Innovation.

Die Ziele des Programms:

  • die Identifizierung gesellschaftlicher Probleme,
  • die Entwicklung anpassbarer Lösungen,
  • Unterstützung im Rahmen von 2×2-tägiger Feldarbeit und Workshops,
  • und der Aufbau des Ökosystems auf lokaler Ebene.

7. Die Relevanz des Living Labs für InnoK

Die Rolle des InnoK-Instituts kann besonders in der Funktion des „Orchestrators" wichtig sein: als vermittelnde Instanz, die die Akteure des Ökosystems aufeinander abstimmt. Die Verknüpfung des Smart City Urban Lab und des Social Lab (soziale Innovation) dient dem Ziel, dass technologische Lösungen auf reale gesellschaftliche Bedürfnisse reagieren.

Kernaussagen

  • Ein Living Lab ist nicht bloß eine Methodik, sondern ein dynamisches, offenes Innovationsökosystem.
  • Die aktive Beteiligung der Nutzer verringert das Entwicklungsrisiko und erhöht die gesellschaftliche Akzeptanz.
  • Das Quadruple-Helix-Modell beruht auf der Zusammenarbeit von öffentlichem Sektor, Privatsektor, Wissenschaft und Bürgerinnen und Bürgern.
  • Das ungarische Programm (ELTE, mit ESF+-Finanzierung) zielt auf konkrete gesellschaftliche Probleme ab.

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