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Forschung · Kompakte Stadt

Starke lokale Gemeinschaften und Identität

Die kompakte Stadt ist nicht nur eine Frage von Beton und Verkehr. Der abschließende Artikel der Serie ordnet die weiche Seite der Entwicklung um zwei übergreifende Ziele: wie sich die öffentlichen Räume mit Leben füllen und wie der Bezirk zum Eigenen der Bewohner wird — denn diese Schicht entscheidet darüber, ob die Entwicklungen akzeptiert werden.

Barber Tamás
Barber Tamás LinkedIn ↗
7 Min. Lesezeit 2026

Die Kompaktheit eines Bezirks hängt nicht nur von seiner Dichte und seinem Verkehr ab. Damit sich das lokale Leben tatsächlich innerhalb des Bezirks organisiert, müssen auch die Wirtschaft, die Gemeinschaft und die Identität vor Ort Halt finden. Dieses übergreifende Ziel befasst sich mit der „weichen“ Seite der kompakten Entwicklung — mit dem, was die Bewohner an ihren Ort bindet.

1. Stärkung der gemeinschaftlichen Nutzung öffentlicher Räume

Ein erheblicher Teil der öffentlichen Flächen des Bezirks ist heute Übergangsraum mit Verkehrsfunktion, kein organisierendes Element des städtischen Lebens. Die aktive Nutzung wird durch das Fehlen von Erdgeschossfunktionen und die Grenzen der Raumqualität gebremst, doch die Füllung der Räume ist nicht nur eine Frage des Bauens, sondern auch der Programmierung.

  • Organisation heimatgeschichtlicher und kultureller Programme. Ziel ist, dass heimatgeschichtliche und kulturelle Inhalte im öffentlichen Raum sichtbarer werden: durch Bezirkskulturfestivals, heimatgeschichtliche Rundgänge, temporäre Kulturinstallationen, Gedenkstätten und Programme, die lokale historische Narrative aufgreifen. Diese dienen nicht in erster Linie touristischen Zwecken, sondern stärken die innere Verbundenheit der Bevölkerung.
  • Organisation von Gemeinschaftsprogrammen im öffentlichen Raum. Regelmäßige Gemeinschaftsprogramme — Marktplatzveranstaltungen, Open-Air-Vorführungen, Sportveranstaltungen, Kinderprogramme und saisonale Festivals — können die Räume beleben. Geeignete Standorte sind der Kossuth-Lajos-Platz, die Kondor-Béla-Promenade, der Piac-Platz und der Szarvas-csárda-Platz, aber auch die temporäre Öffnung von Straßen kann dazu dienen (etwa die Thököly-Straße oder die Baross-Straße). Am stärksten sind die Programme in Verbindung mit taktisch-urbanistischen Eingriffen: Dann verstärken sich die Veranstaltung im öffentlichen Raum und die physische Raumumgestaltung gegenseitig, während sie zugleich den lokalen Unternehmern Kundschaft und Sichtbarkeit bringen.

2. Entwicklung der lokalen Identität

Die Akzeptanz der kompakten Entwicklungen hängt davon ab, ob die Bevölkerung den Bezirk — und die in ihm ablaufenden Veränderungen — als den ihren empfindet.

  • Kampagnen zur Förderung des lokalen Einkaufs. Eine Besonderheit der Handelsstruktur des 18. Bezirks ist, dass sich in den umliegenden Gebieten mehrere großflächige Einkaufszentren befinden. Diese üben eine erhebliche Sogwirkung auf die Bevölkerung des Bezirks aus: Ein Teil der alltäglichen Einkäufe findet nicht vor Ort statt, was die individuelle Kfz-Nutzung erhöht und die lokale Wirtschaft schwächt. Ziel dieser Interventionsrichtung ist, dass bewusste Kommunikationskampagnen und Anreizprogramme die Bevölkerung zum Einkauf innerhalb des Bezirks orientieren. Dazu können Treueprogramme, der Ausbau der Stadtkarte, Aktionen zur Bekanntmachung lokaler Unternehmen sowie mit den Bezirksmärkten verbundene Veranstaltungen gehören.
  • Umsetzung gemeinschaftlicher Planungsprozesse. Die kompakte Stadtentwicklung berührt zwangsläufig die Lebensbedingungen und das Wohnumfeld der Bevölkerung, weshalb Verdichtung und Verkehrsumstrukturierung Widerstand hervorrufen können, den wir als NIMBY-Phänomen kennen. Die Antwort ist nicht das Übergehen der Bevölkerung, sondern ihre substanzielle Einbindung: Die örtlichen Bewohner sollen nicht bloß als Kommentierende, sondern als aktive Teilnehmer des Planungsprozesses auftreten. Zum Werkzeugkasten gehören Planungsworkshops, Bürgerforen, Konsultationsplattformen sowie Spaziergänge und Raumnutzungserhebungen, die lokale Gemeinschaften einbeziehen. Die Beteiligung erhöht nicht nur die Akzeptanz, sondern verbessert auch die Qualität der Entscheidungen, da das lokale Wissen in die Entwicklungen einfließt.
  • Aufbau von Bezirks- und Viertelidentität. Die Identität des 18. Bezirks besteht aus mehreren Schichten. Pestszentlőrinc und Pestszentimre existierten als zwei getrennte Gemeinden und weisen auch heute noch einen spürbar unterschiedlichen Charakter auf. Die Wohnsiedlungen bilden eigene Mikrogemeinschaften, während der Gartenstadtcharakter ein identitätsstiftender Faktor ist, den ein erheblicher Teil der Bevölkerung schätzt. Der bewusste Identitätsaufbau bewegt sich zugleich auf zwei Ebenen:
    • Stärkung der Selbstidentität für den gesamten Bezirk: ein gemeinsamer Name, gemeinsame kulturelle Bezüge, eine Bezirksmarke.
    • Anerkennung und Herausstellung des eigenen Charakters der Stadtteile und Viertel: Gestaltungselemente auf Viertelebene, heimatgeschichtliche Tafeln, eine Bezirkskarte und gezielte Kommunikationskampagnen.

Unter dem Gesichtspunkt der Akzeptanz der kompakten Entwicklungen ist dies der empfindlichste Punkt. Entscheidend ist, dass die Veränderungen nicht als Leugnung des Bezirkscharakters, sondern als Weiterentwicklung der bestehenden Identität erscheinen.

InnoK-Perspektive

Die Living-Lab-Methodik von InnoK arbeitet genau an dieser weichen Schicht: Die gemeinschaftlichen Planungsworkshops, die Programme im öffentlichen Raum und die heimatgeschichtlichen Inhalte sind nicht nur Interventionsinstrumente, sondern auch Testumgebungen. Im 18. Bezirk bilden diese jenes reale Umfeld, in dem die Akzeptanz einer Entwicklung und das Wissen der Bevölkerung schon vor der physischen Umgestaltung messbar werden.

Kernaussagen

  • Gegen die Sogwirkung der Einkaufszentren der umliegenden Bezirke und von Vecsés sind Kampagnen zur Förderung des lokalen Einkaufs und die Stadtkarte zugleich wirtschaftliche und gemeinschaftsbildende Instrumente.
  • Die gemeinschaftliche Planung verringert den NIMBY-Widerstand und verbessert durch die Einbindung des lokalen Wissens auch die Qualität der Entscheidungen.
  • Das geschichtete Erbe und regelmäßige Programme im öffentlichen Raum können die Räume des Bezirks zu einem lebendigen städtischen Lebensraum machen.
  • Der Identitätsaufbau muss den bestehenden gartenstädtischen und Viertelcharakter weiterentwickeln, nicht leugnen — das ist die Voraussetzung für die Akzeptanz der kompakten Entwicklungen.

Mit diesem Artikel ist der 18-teilige Weg vollständig: von den Begriffen über die Diagnose des 18. Bezirks bis zu den konkreten Vorschlägen. Am Ende ist die kompakte Stadt kein Rezept, sondern eine Richtung — und die persönlichste Schicht dieser Richtung sind die Gemeinschaft und die Identität.

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