Hintergrundwissen · Kompakte Stadt
Öffentlicher Raum als Stadtraum
Wem gehört die Straße — dem Menschen oder dem Auto? Die Qualität des öffentlichen Raums und das vierte Merkmal der kompakten Stadt.
Das vierte Merkmal der kompakten Stadt ist der Schutz des öffentlichen Raums. Öffentliche Räume sind nicht bloß Verkehrsflächen, sondern Orte des städtischen Lebens, der Begegnung und der lokalen Wirtschaft, deren Qualität beeinflusst, wie lebenswert ein Stadtteil ist.
1.Menschlicher Maßstab gegen Automaßstab
Vor dem Aufkommen des Personenkraftwagens wurden Städte nach dem menschlichen Maßstab geplant — dem Gehtempo von 5 km/h. Mit der Verbreitung des Autos beschleunigte sich der Verkehr, der menschliche Maßstab trat in den Hintergrund, und die Proportionen des Stadtraums verschoben sich zugunsten des großen Platzbedarfs der Kraftfahrzeuge: Ein Parkplatz mit 20–30 Stellplätzen ist so groß wie ein durchschnittlicher städtischer Platz, und ein Mensch beansprucht mit dem Auto im Durchschnitt zwanzigmal so viel Raum wie mit dem öffentlichen Verkehr.
2.Die fünf Schritte des Abwendens
Nach David Engwicht wenden sich die Menschen wegen des zunehmenden Verkehrs in fünf Schritten von der Straße ab: Zuerst wird die Straße in Gehweg und Fahrbahn geteilt, dann verlieren der Gehweg vor dem Haus, später der Vorgarten und schließlich auch der hintere Garten wegen des gestiegenen Verkehrs und der Lärmbelastung ihren gemeinschaftlichen Charakter. Indem die Menschen der Straße den Rücken kehren, verschlechtert sich die Qualität des Straßenlebens und auch die Einzelhandelsaktivität nimmt ab. Deshalb muss der Erhaltung der städtischen Räume und der Verbesserung ihrer Qualität besondere Aufmerksamkeit gelten. Dank hochwertigerer öffentlicher Räume nehmen die Menschen auch das dichtere Stadtgefüge positiver wahr.
3.Grünflächen und Lebensqualität
Eine dichte Bebauung sollte man durch Grünflächen gliedern und ausgleichen. Eine städtische Grünfläche mildert den Wärmeinseleffekt, sichert die Durchlüftung und die ökologischen Verbindungen und fördert als Erholungsfläche — bei freiem Zugang — auch die soziale Gleichheit und verringert den Bedarf an privaten Gärten. Hochwertige Grünflächen machen die Stadt freundlicher, stärken die städtische Identität und lassen sich auch für Zwecke des Stadtmarketings nutzen.
InnoK-Perspektive
Die Diagnose des öffentlichen Raums im 18. Bezirk wird genau diese Spannung aufdecken: Ein erheblicher Teil der öffentlichen Räume des Bezirks funktioniert heute vorrangig als Verkehrsinfrastruktur und nicht als Stadtraum — deshalb ist das Neudenken der öffentlichen Räume eine der betonten Stoßrichtungen des Vorschlags.
Kernaussagen
- Der öffentliche Raum ist der Ort des städtischen Lebens und der Begegnung, nicht bloß eine Verkehrsfläche.
- Der Automaßstab hat die Proportionen des Stadtraums zulasten des Menschen verschoben.
- Der zunehmende Verkehr verursacht ein „Abwenden" und einen Rückzug, was das Straßenleben verschlechtert.
- Grünflächen mildern den Wärmeinseleffekt und stärken Lebensqualität und Identität.
Serie · Kompakte Stadt · Grundlagen (6 Teile)
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